Dr. Hussam Abu Safiya. Rechts vor der willkürlichen Haft, links im Frühjahr 2026. © privat/x.comHussamAbuSafiya
Dr. Hussam Abu Safiya. Rechts vor der willkürlichen Haft, links im Frühjahr 2026. © privat/x.comHussamAbuSafiya
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Israel/Besetztes Palästinensisches Gebiet: Folter an inhaftiertem Kinderarzt Hussam Abu Safiya bedroht sein Leben

7. Juli 2026

Die israelischen Behörden müssen den willkürlich inhaftierten Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses, Dr. Hussam Abu Safiya, unverzüglich freilassen, erklärte Amnesty International heute. Ein Anwalt berichtete nach einem Besuch, dass das Leben des palästinensischen Kinderarztes aufgrund der in israelischer Haft erlittenen Folter und anderer Misshandlungen akut bedroht sei. Dr. Abu Safiya wird seit über 18 Monaten willkürlich in israelischen Gefängnissen festgehalten – ohne Anklage und ohne Gerichtsverfahren.

Am 27. Dezember 2024 führte das israelische Militär eine Razzia im Kamal-Adwan-Krankenhaus in Mashrou’ Beit Lahiya durch und nahm dessen Direktor, Dr. Hussam Abu Safiya, willkürlich fest. Seitdem wird er ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten, und zwar auf der Grundlage von Anordnungen, die unter Berufung auf das grausame Gesetz über unrechtmäßige Kämpfer immer wieder verlängert werden. Dieses Gesetz ermächtigt das Militär, gegen jede Person aus dem Gazastreifen, die im Verdacht steht, eine Gefahr für die Staatssicherheit darzustellen oder feindliche Aktivitäten auszuüben, auf der Grundlage geheimer Beweise und ohne Vorlage einer Anklageschrift unbefristet verlängerbare Haftanordnungen zu erlassen.

Am 16. Juni 2026 wies der Oberste Gerichtshof Israels Dr. Abu Safiyas Antrag auf sofortige Freilassung ab und bestätigte damit seine weitere willkürliche Inhaftierung bis mindestens Oktober. Die „Ärzte für Menschenrechte – Israel“ (Physicians’ for Human Rights Israel, PHRI) sind der Ansicht, dass die eskalierenden Angriffe auf Dr. Hussam Abu Safiya mit den von ihm eingelegten Rechtsmitteln und seinen Versuchen zusammenhängen, seine Inhaftierung vor Gericht anzufechten.

Erschreckende Haftbedingungen

Dr. Hussam Abu Safiya wird im Rakevet-Haftzentrum festgehalten, einem unterirdischen Trakt des Nitzan-Gefängnisses. Die Anlage liegt in unmittelbarer Nähe zur zentralen Justizvollzugsanstalt Ajalon. Inhaftierte – überwiegend Palästinenser aus dem Gazastreifen – sind dort systematischer Folter und unmenschlicher Behandlung ausgesetzt. Das Haftzentrum war 1985 wegen seiner unmenschlichen Bedingungen geschlossen worden. Nach dem 7. Oktober 2023 wurde es jedoch wieder in Betrieb genommen.

Die Details, die über die sich verschlechternden Haftbedingungen von Dr. Hussam Abu Safiya bekannt werden, sind wirklich erschreckend. Wir sind zutiefst beunruhigt über die Berichte seines Anwalts, wonach sein Leben angesichts seiner anhaltenden rechtswidrigen Inhaftierung unmittelbar gefährdet ist. Es ist unfassbar, dass ein Kinderarzt, der sein Leben der Rettung anderer Menschen im besetzten Gazastreifen gewidmet hat, willkürlich inhaftiert und Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt ist – darunter schwerer körperlicher und psychischer Misshandlung sowie langer Einzelhaft.

Erika Guevara Rosas, leitende Direktorin für Recherche, Advocacy, Politik und Kampagnen bei Amnesty International

„Die israelischen Behörden müssen Dr. Hussam Abu Safiya sofort und bedingungslos freilassen. Bis zu seiner Freilassung muss die israelische Strafvollzugsbehörde sicherstellen, dass er umfassend vor Misshandlungen geschützt wird, angemessene medizinische Versorgung und unverzüglich Zugang zu unabhängigen Beobachter*innen erhält. Dazu zählt auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), dem auch Zugang zu allen anderen palästinensischen Inhaftierten gewährt werden muss“, so Guevara Rosas weiter.

Folter im Verborgenen

Unter eklatanter Missachtung seiner völkerrechtlichen Verpflichtungen verweigert Israel dem IKRK seit Oktober 2023 den Zugang zu palästinensischen Gefangenen und Inhaftierten.

Berichte über den sich verschlechternden Gesundheitszustand von Dr. Hussam Abu Safiya und die schweren Misshandlungen, denen er durch den israelischen Strafvollzugsdienst ausgesetzt ist, wurden nach dem Besuch eines Anwalts von „Ärzte für Menschenrechte – Israel“ (Physicians’ for Human Rights – Israel, PHRI) am 2. Juli 2026 bekannt. Der Anwalt Nasser Odeh erklärte, dass Dr. Abu Safiya seit seiner Verlegung in die berüchtigte unterirdische Haftanstalt Rakevet täglich Schlägen, Drohungen und anderen Formen der Misshandlung ausgesetzt sei.

Er gab weiterhin an, dass er frische Blutergüsse und Folterspuren am Kopf und am gesamten Körper von Dr. Hussam Abu Safiya festgestellt habe, wodurch dieser kaum noch zu erkennen gewesen sei. Dr. Hussam Abu Safiya sei an Händen und Füßen gefesselt zu dem Treffen erschienen. In seinem erschreckenden Bericht beschrieb Nasser Odeh den Arzt als schwach und kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren. Dr. Hussam Abu Safiya habe ihm gesagt: „Das ist das letzte Mal, dass du mich siehst … sie haben mich hierhergebracht, um mich zu töten.“

Das ist das letzte Mal, dass du mich siehst … sie haben mich hierhergebracht, um mich zu töten.

Dr. Hussam Abu Safiya

„Die Aussage des Anwalts muss für Staaten auf der ganzen Welt, insbesondere für Israels Verbündete, ein dringender Weckruf sein. Es ist absolut verwerflich, dass ein Arzt, der sich weigerte, seine Patient*innen im Stich zu lassen, und der zu einer der prominentesten Stimmen wurde, die die Zerstörung des Gesundheitssystems in Gaza anprangerten, weiterhin willkürlich und rechtswidrig inhaftiert ist, weil Israel ihn grundlos als ‚unrechtmäßigen Kämpfer‘ einstuft. Ihm werden weiterhin seine grundlegendsten Rechte vorenthalten, darunter das Recht auf Schutz vor Folter und anderer Misshandlung sowie sein Recht auf ein faires Verfahren und ein ordnungsgemäßes Gerichtsverfahren“, sagt Erika Guevara Rosas.

„Die unmenschliche Behandlung palästinensischer Gesundheitsfachkräfte in Gaza durch Israel, einschließlich willkürlicher Inhaftierungen und Folter, wurde dadurch ermöglicht, dass Staaten bewusst darauf verzichtet haben, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen – sowohl angesichts der Zerstörung des Gesundheitssystems in Gaza durch Israel als auch angesichts der Übergriffe auf palästinensische Gesundheitsfachkräfte. All dies gehört zum zentralen Muster des andauernden Völkermords Israels an den Palästinenser*innen im Gazastreifen. Bloße Besorgnisbekundungen sind kaum mehr als ein zynisches Feigenblatt für die Untätigkeit der Staaten angesichts der massiven Verletzung der Menschenrechte der Palästinenser*innen durch Israel. Amnesty International fordert gemeinsam mit anderen Menschenrechtsorganisationen nicht nur die sofortige Freilassung von Dr. Hussam Abu Safiya, sondern dringende und wirksame Maßnahmen, um sein Leben zu retten.“

„Uns läuft die Zeit davon“

Dr. Hussam Abu Safiyas Sohn Elias, der Sprecher der Familie, erklärte gegenüber Amnesty International:

„[Mein Vater] befindet sich derzeit in einer kritischen Phase zwischen Leben und Tod … [Sein] Gesundheitszustand und seine Lage verschlechtern sich von Tag zu Tag. Wir rufen die internationale Gemeinschaft, Menschenrechtsorganisationen, die Medien und alle Menschen mit Gewissen dazu auf, unverzüglich und mit Nachdruck Maßnahmen zu ergreifen, um ein sofortiges Ende der Folter und aller anderen gegen meinen Vater begangenen Menschenrechtsverletzungen zu erwirken, die Bereitstellung dringender medizinischer Versorgung sicherzustellen, die Überwachung seines Gesundheitszustands durch unabhängige rechtliche und humanitäre Kanäle zu ermöglichen sowie seinen Schutz und die Achtung seiner Grundrechte zu gewährleisten.“

Wenn die Welt heute schweigt, könnte das den Verlust eines unschuldigen Menschenlebens bedeuten. Uns läuft die Zeit davon. Wir fordern Sie dringend auf, einzugreifen, bevor es zu spät ist.

Elias Abu Safiya

Genozid in Gaza: Gegen das Schweigen und für die Opfer

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