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Belarus: Marfa Rabkova benötigt medizinische Versorgung

Dringend medizinische Behandlung notwendig

Die zu Unrecht inhaftierte belarussische Menschenrechtsverteidigerin Marfa Rabkova benötigt dringend medizinische Versorgung. Sie wird seit September 2020 allein aufgrund ihrer Arbeit für die Menschenrechte in Untersuchungshaft festgehalten.

Der Gesundheitszustand der Koordinatorin des Freiwilligendienstes von Viasna, einer belarussischen Menschenrechtsorganisation, verschlechtert sich zusehends. Sie befindet sich seit dem 17. September 2020 in Untersuchungshaft und obwohl sie zahlreiche gesundheitliche Probleme hat, wird ihr seit Monaten eine medizinische Behandlung verweigert.

So hatte sie entzündete Lymphknoten und mehrere Monate lang Schmerzen im Unterleib, nachdem sie sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Außerdem hat sie, laut ihrer Familie, Zahnschmerzen und ein Teil einer ihrer Schneidezähne ist abgebrochen. Die Behörden verweigern ihr bereits seit mehr als sechs Monaten die erforderliche Zahnbehandlung.

Marfa Rabkova wird allein wegen ihres rechtmäßigen Einsatzes als Menschenrechtsverteidigerin schikaniert. Sie ist als Demonstrationsbeobachterin tätig und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen wie Folter oder andere Misshandlungen an friedlichen Protestierenden durch die Sicherheitskräfte.

Im Falle einer Verurteilung drohen Marfa Rabkova bis zu zwölf Jahre Haft. Sie hat keine Straftat begangen.

Fordere mit uns Freiheit für Marfa Rabkova!

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Hintergrundinformationen

Die Inhaftierung der Menschenrechtsverteidigerin Marfa Rabkova steht im Kontext einer drastischen Verschlechterung der Menschenrechtssituation in Belarus. Während der Zeit des Wahlkampfs und nach der Präsidentschaftswahl am 9. August 2020 brachen friedliche Massenproteste aus, unter anderem wegen der umstrittenen offiziellen Resultate. In der gesamten Wahlperiode sind die Behörden brutal gegen die Opposition und alle kritischen Stimmen vorgegangen. Die Polizei hat Tausende Menschen willkürlich festgenommen. Die überwiegende Mehrheit der Inhaftierten sind friedliche Protestierende oder Passant*innen. Viele von ihnen wurden wie bei einer Entführung von maskierten Männern in Zivilkleidung mitgenommen.

Marfa Rabkova und ihr Ehemann Vadzim Zharomski wurden am Abend des 17. September 2020 von Angehörigen der Sondereinheit gegen organisiertes Verbrechen und Korruption (GUBAZIK) festgenommen. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung wurden Geld, persönliche Gegenstände und IT-Ausrüstung beschlagnahmt. Vadzim Zharomski kam später frei, aber Marfa Rabkova wurde in Untersuchungshaft überstellt. Sie wird verdächtigt, gegen Paragraf 293(3) des Strafgesetzbuches ("Training oder andere Vorbereitung von Menschen zur Teilnahme an Aufständen, oder Finanzierung solcher Aktivitäten") verstoßen zu haben. Des Weiteren werden ihr Verstöße gegen Paragraf 285(2) des Strafgesetzbuches ("Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung in sonstiger Form") und gegen Paragraf 130 ("Aufwiegelung zu Hass") vorgeworfen.

Am 11. Februar 2021 wurden neue Anschuldigungen gegen Marfa Rabkova erhoben. Ihr wird "Anstiftung zur sozialen Feindseligkeit gegen die Regierung durch eine Gruppe nicht identifizierter Personen" (Paragraf 130(3) des Strafgesetzbuches) und "Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung" (Paragraf 285(2)) vorgeworfen. Bei einem Schuldspruch drohen ihr bis zu zwölf Jahre Haft.

Während der Untersuchungshaft hat sich Marfa Rabkovas Gesundheitszustand erheblich verschlechtert und sie erhält keine medizinische Versorgung.

Verfolgung von Mitarbeiter*innen von Viasna

Laut dem Menschenrechtszentrum Viasna erlebten die Mitglieder der Organisation während der Zeit des Präsidentschaftswahlkampfs, sowie am Wahltag am 9. August und danach erhebliche Schikanen durch die Behörden: Administrativhaft, willkürliche Inhaftierungen und Strafverfolgung im Zusammenhang mit ihrem Einsatz für die Menschenrechte.

Neben Marfa Rabkova befinden sich derzeit sechs Viasna-Mitglieder im Gefängnis: der Vorsitzende Ales Bialiatski, der stellvertretende Vorsitzende Valiantsin Stefanovich, der Anwalt Uladzimir Labkovich, der Leiter der Zweigstelle von Viasna in Homel, Leanid Sudalenka, sowie die Freiwilligen Tatsiana Lasitsa und Andrei Chapiuk. Am 3. November 2021 wurden Leanid Sudalenka und Tatsiana Lasitsa zu drei bzw. zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Am 17. September 2021 starteten Dutzende belarussische und internationale Menschenrechtsorganisationen, darunter auch Amnesty International, die Solidaritätskampagne #FreeViasna.

Musterbrief

Appelle an

GENERALSTAATSANWALT
Andrey Shved
Prosecutor General of the Republic of Belarus
Vul. Internatsianalnaya
22 220030 Minsk
BELARUS
E-Mail: info@prokuratura.gov.by

Kopien an

BOTSCHAFT DER REPUBLIK BELARUS
S.E Herr Andrei DAPKIUNAS
Hüttelbergstraße 6
1140 Wien
Fax: (+43 / 1) 419 96 30 - 30
E-Mail: austria@mfa.gov.by

AMNESTY FORDERT:

  • Ich fordere Sie höflich auf, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Marfa Rabkova sofort freigelassen wird und alle Anklagen gegen sie fallen gelassen werden.
  • Sorgen Sie bitte dafür, dass sie bis zu ihrer Freilassung umgehend eine angemessene medizinische Versorgung erhält und im Einklang mit internationalen Menschenrechtsstandards, insbesondere den UN-Mindestgrundsätzen für die Behandlung von Gefangenen (Nelson-Mandela-Regeln), behandelt wird.

Inhalt

Dear Prosecutor General,

I am deeply worried about the medical condition of Marfa Rabkova, a woman human rights defender and coordinator of the Volunteer Service of the Human Rights Center “Viasna”, who since 17 September 2020 has been held in pretrial detention.

She has multiple health problems and has been denied medical care for months. According to her family, she has not been allowed to treat her aching teeth for over six months, and a part of her front tooth has chipped off. After contracting COVID-19 her lymph nodes became inflamed and she had pain in the lower abdomen for several months.

Marfa Rabkova, who faces up to 12 years in jail if convicted, is being targeted for her legitimate activities as a human rights defender, such as observing demonstrations and documenting evidence of human rights violations, including torture and other ill-treatment of peaceful protesters by law enforcement officials. Marfa Rabkova has committed no crime.

I urge you to take all the necessary steps to ensure that Marfa Rabkova is released immediately and all charges against her are dropped.

Pending her release, please ensure she is urgently provided with adequate medical care and is treated in accordance with international human rights standards, in particular the UN Standard Minimum Rules for the Treatment of Prisoners (the Nelson Mandela Rules).

Many thanks for your attention to my request.

Yours Sincerely,

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